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DFB-Sportdirektorin über die EM und Gwinn

Nia Künzer: „Dieser Spirit ist nicht künstlich heraufbeschworen“

Nia Kuenzer DFB, Sportdirektorin Frauenfußball, SUI, Training Fussball Frauen Nationalmannschaft Deutschland, UEFA Womens Euro 2025, Spielzeit 2024/2025, 10.07.2025 SUI, Training Fussball Frauen Nationalmannschaft Deutschland, UEFA Womens Euro 2025, Spielzeit 2024/2025, 10.07.2025 Zuerich *** Nia Kuenzer DFB, Sports Director Womens Football , SUI, Training Football Womens National Team Germany, UEFA Womens Euro 2025, Season 2024 2025, 10 07 2025 SUI, Training Football Womens National Team Germany, UEFA Womens Euro 2025, Season 2024 2025, 10 07 2025 Zurich Copyright: xEibner-Pressefoto/Memmlerx EP_MMR
Nia Kuenzer DFB, Sportdirektorin Frauenfußball, SUI, Training Fussball Frauen Nationalmannschaft Deutschland, UEFA Womens Euro 2025, Spielzeit 2024/2025, 10.07.2025 SUI, Training Fussball Frauen Nationalmannschaft Deutschland, UEFA Womens Euro 2025, Spielzeit 2024/2025, 10.07.2025 Zuerich *** Nia Kuenzer DFB, Sports Director Womens Football , SUI, Training Football Womens National Team Germany, UEFA Womens Euro 2025, Season 2024 2025, 10 07 2025 SUI, Training Football Womens National Team Germany, UEFA Womens Euro 2025, Season 2024 2025, 10 07 2025 Zurich Copyright: xEibner-Pressefoto/Memmlerx EP_MMR

Zürich. Seit Anfang 2024 ist Nia Künzer (45) als Sportdirektorin für den Fußball der Frauen beim DFB tätig. Vor der Europameisterschaft in der Schweiz wurde ihr Vertrag bis 2029 verlängert, in jenem Jahr soll das Turnier im eigenen Land stattfinden. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) traf die Verbandsfunktionärin im EM-Quartier der DFB-Auswahl in Zürich.

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Frau Künzer, Präsident Bernd Neuendorf wünschte schon vor der Niederlage gegen Schweden (1:4) „eine Steigerung“ des Teams im Turnierverlauf, weil mehr Potenzial erkennbar sei. Ist das Lob oder Tadel von höchster Stelle?

Ich habe herausgehört, dass er mit dem vorzeitig erreichten Einzug ins Viertelfinale schon sehr zufrieden war. Zugleich bestätigte er, dass er weiß, was in diesem Team steckt. So geht es uns auch. Bei aller Selbstkritik nach dem komplizierten Auftakt gegen zugegeben knifflige Gegner sollten wir die Balance finden, uns zu hinterfragen und zugleich auf unsere Stärken zu besinnen, damit wir selbstbewusst in die K.-o.-Runde gehen.

Was hat Bundestrainer Christian Wück unternommen, um die Mannschaft vor und während der EM zu entwickeln?

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Es ist entscheidend, wie wir ins Spiel kommen. Die Anfangsphase konzentriert und dominierend anzugehen, sollte die wichtigste Aufgabe sein. Das gilt für jede Einzelne auf dem Platz. Da habe ich teils Fortschritte gesehen, teils aber auch Verhaltensmuster, die wir eigentlich abstellen wollten. Es gibt Phasen, in denen wir kompakt stehen, wenig zulassen und den Gegnerinnen unser Spiel aufzwingen.

Wücks meistgenannten Worte zuletzt: „Passschärfe“ und „Passqualität“.

Wir wollen Fußball zeigen, der attraktiv ist. Das können wir auch. Wenn es nach vorn schnell gehen soll, muss es präzise sein, das geht nur mit den geforderten Attributen. Daran arbeitet das Team mit den Trainerinnen und Christian Wück in jeder Einheit. Ein völlig anderes Element betone ich allerdings besonders.

Dieser Spirit, den alle Spielerinnen immer betonen, ist nicht künstlich heraufbeschworen.

Bitte.

Es heißt immer, dass es wichtig ist, Widerstände und Rückschläge zu überwinden, um erfolgreich zu sein. Das haben wir an einigen Stellen in der Gruppenphase gezeigt. Sei es die Verletzung von Giulia Gwinn, seien es die vielen VAR-Entscheidungen, ohne sie inhaltlich bewerten zu wollen, oder der Rückstand gegen Dänemark.

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Stichwort Gwinn: Am Tag nach dem verletzungsbedingten Turnier-Aus der Kapitänin wirkten besonders Sie schwer getroffen - vordergründig wegen des persönlichen Rückschlags oder der Auswirkungen auf die Mannschaft?

Ehrlicherweise, davon kann ich mich nicht freimachen, waren zunächst die Gedanken an Giuli der Hauptauslöser, weil ich wusste, was es für sie bedeutet. Sie hat so viele Rückschläge hinter sich und sich beeindruckend zurückgekämpft, steht mit dieser Mentalität stellvertretend als Gesicht für dieses Team. Im zweiten Schritt ging es natürlich um alle weiteren Auswirkungen.

Gwinn war gegen Schweden im Stadion in Zürich. Wird sie nun im Teamquartier bleiben?

Wir müssen das im Detail besprechen, der DFB und der FC Bayern werden alles in ihrem Sinne ermöglichen und wie es mit der Behandlung zusammenpasst. Sie ist zuletzt einige Tage in München gewesen, aber immer für das Team da - und umgekehrt. Dieser Spirit, den alle Spielerinnen immer betonen, ist nicht künstlich heraufbeschworen. Die Ereignisse rund um Giuli haben das bewiesen.

Interview in Zürich: Nia Künzer (l.) und RND-Reporter Roman Gerth.
Interview in Zürich: Nia Künzer (l.) und RND-Reporter Roman Gerth.

Als Aktive haben Sie vier Kreuzbandrisse erlitten, eine andere Blessur im Sommer 2001 verhinderte einst Ihre Teilnahme an der Heim-EM. Hat Gwinn nach dem Polen-Spiel besonders den Kontakt zu Ihnen gesucht?

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Das sollte man Giuli fragen, aber sie kennt meine Erfahrungen und weiß vermutlich, dass ich mich gut in ihre konkrete Situation versetzen konnte. Mir ging es als Aktive in vielen Situationen bei meinen Verletzungen ähnlich, ich habe als junge Spielerin zwei schwere Knieverletzungen überstehen müssen. Ich kam aber zurück und habe viele tolle Momente dank des Fußballs erlebt, im Verein und im Nationalteam.

Statistiken zeigen: Kreuzbandrisse sind bei Fußballerinnen deutlich häufiger als bei männlichen Profis. Welchen Stellenwert hat dieses Thema?

Die Verletzung ist sehr präsent. Dafür dauerte es aus meiner Sicht zu lange, etwas gegen diese Situation zu unternehmen. Medizinisch bin ich ein Laie, vermute aber, dass es nie ganz zu verhindern sein wird. Auszuschließen ist es, das sehen wir auch im Männerbereich, schlicht nicht. Es wird in unserem Bereich allmählich mehr getan, gerade professionelle Prävention spielt eine wichtige Rolle, um das Risiko zu minimieren.

Die Spielzeit ist kein Problem, ich erkenne keine Notwendigkeit, daran etwas zu ändern.

Peter Knäbel, bald Chef des Schweizer Verbands, regte kürzlich an, das Anderssein beim Fußball der Frauen zu betonen, indem 3 × 30 statt 2 × 45 Minuten gespielt werden. Ein sinnvoller Vorschlag?

Ich kann schwer einschätzen, welche Intension hinter dieser Aussage steht. Die Spielzeit ist kein Problem, ich erkenne keine Notwendigkeit, daran etwas zu ändern. Wir sehen bei dieser EM, dass zwei Hälften im Spiel auf sehr hohem Niveau gespielt werden können.

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Sie halten den Vorschlag demnach für absurd?

Das wirkt für mich wie ein Marketing-Gedanke, ich konzentriere mich aufs Sportliche. Da ist mir viel wichtiger, die Bedingungen weiter zu verbessern, um junge Spielerinnen bestmöglich auszubilden, in den Vereinen und in den Jugendnationalteams. Der Profisport muss attraktiv sein, die finanziellen Möglichkeiten so, dass Fußballerinnen eine gesunde Basis vorfinden.

Im Hier und Jetzt steht Deutschland im Viertelfinale. Ihr zweiter Vorname lautet Tsholofelo, was in Setswana, der Muttersprache Ihres Geburtslandes Botswana, „Hoffnung“ heißt. Wie groß ist weiterhin die Hoffnung auf den großen Wurf?

In der K.-o.-Phase wird ab sofort jeder Fehler gnadenlos bestraft. Es geht nicht unter einhundert Prozent. Ich bin überzeugt von den Einzelspielerinnen, von den Persönlichkeiten, die auf dem Platz stehen - und davon, wie sie sich als Gemeinschaft entwickelt haben.

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