Urlaub auf Madagaskar: Was den Inselstaat so besonders macht

Wenn du nicht weißt, worüber du noch staunen sollst, dann fahr nach Madagaskar. Die viertgrößte Insel der Welt im Indischen Ozean wurde schon vor Millionen von Jahren vom Festland getrennt, und so konnte sich hier einzigartiges Leben entwickeln. Das Ergebnis sind zahlreiche endemische Pflanzen und Tiere, die im größten Inselstaat Afrikas ein Zuhause haben und mit ihrer Besonderheit faszinieren.
Auf der roten Insel, wie Madagaskar aufgrund ihrer vielfach roten, da nährstoffarmen Erde genannt wird, warten abwechslungsreiche Landschaften von Vulkanfeldern bis Meeren aus Kalksteinspitzen, winzig kleine Chamäleons und Bäume, die mit den Wurzeln in den Himmel wachsen auf dich. Neugierig geworden?
Nationalpark Tsingy de Bemaraha auf Madagaskar
Es gibt viele Nationalparks auf Madagaskar, aber dieser an der Westküste weist wohl die skurrilste Kulisse auf. Im Nationalpark Tsingy de Bemaraha erwartet dich eine mondähnliche Felsenlandschaft. Rasiermesserartige Kalksteinformationen, Tsingys genannt, ragen bis zu 130 Meter hoch in den Himmel. Entstanden aus Ablagerungen von Riffen, die durch das Absinken des Meeresspiegels sichtbar wurden. Wie ein undurchdringlicher Wald aus spitzen Kalksteinnadeln zeigt sich die Landschaft.
Und doch führen neun Wanderrouten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade durch den Nationalpark. Schon der leichteste von ihnen ist anspruchsvoll und führt zu den kleinen Tsingys. Wer zu den großen Tsingys will, muss Kondition und Trittsicherheit mitbringen: Hier gehören auch Klettersteige, Hängebrücken und das Durchqueren von Höhlen zu der herausfordernden Wanderung dazu.

Neben der beeindruckenden Landschaft, ist es hier auch artenreich: elf Lemuren- und über 100 Vogelarten wie der bedrohte Madagaskar-Fischadler, zahlreiche Reptilien und Amphibien und 650 Pflanzenarten nennen den Nationalpark ihr Zuhause.
Affenbrotbäume als skurrile Kulisse
Bei diesem Anblick kann man schon mal andächtig werden: 800 Jahre alt sollen manche dieser riesigen Affenbrotbäume sein, die in der Nähe der Stadt Morondava mit mehr als 20 Exemplaren eine Allee formen. Bis zu neun Meter Durchmesser und 30 Meter Höhe kann der Stamm eines solchen Baumes erreichen und gigantische Mengen Wasser speichern. Seine bizarre Form aus dem massiven Stamm und den nur am oberen Ende knorrig wachsenden Ästen machen ihn zu einem beliebten Fotomotiv.
Zu Sonnenauf- und Sonnenuntergang ist die Allee der Affenbrotbäume, auch Baobabs genannt, eine beliebte Anlaufstelle für Reisende, da die Bäume im Zwielicht besonders magisch wirken. Der Baobab wird auch als Baum des Lebens bezeichnet und er soll vor bösen Geistern schützen. Die Einheimischen nennen die Bäume auch „upside down tree“, weil sie aussehen, als würden sie mit den Wurzeln gen Himmel wachsen. Kein Wunder, dass sich um die Baobabs viele Legenden ranken. Eine davon besagt, der Teufel habe die Bäume erst ausgerissen und dann mit der Krone zuerst wieder in den Boden gesteckt.

Der Dschungelexpress von Madagaskar
Der Name Dschungelexpress täuscht. Denn schnell geht es mit dem Zug, der Fianarantsoa im Hochland und Manakara an der Ostküste verbindet, nicht gerade voran. Mit maximal 15 Kilometern pro Stunde bewegt er sich fort und für die 163 Kilometer lange Strecke werden acht bis zwölf Stunden Fahrt angekündigt. Meist sind es eher 14, teilweise auch 24 Stunden. Bei der Einfahrt an den insgesamt 17 Stationen herrscht Volksfeststimmung, Einheimische bieten Essen an, es wird gejubelt.
Die Fahrten finden dreimal pro Woche statt. Der Zug befährt dabei eine von zwei noch funktionierenden Bahnlinien des Landes und für viele Einheimische ist es die einzige Chance, eine Stadt zu erreichen. Dementsprechend beliebt ist die Verbindung. Komfort gibt es (auch in der ersten Klasse) nicht, das Highlight ist der Blick nach draußen: Steile Schluchten und Plantagen mit Tee oder Bananen, der See Sahambavy, Regenwälder, Wasserfälle und der Bergnebelwald Madagaskars ziehen während der Fahrt am Zugfenster vorbei.

Ausflug nach Nosy Iranja
Nosy Iranja ist als Insel der Schildkröten bekannt, was ihr Name auch übersetzt bedeutet, und sie ist ein absolutes Strandparadies. Unterteilt ist das Eiland in zwei Teile, die über eine Sandbank verbunden sind. Das kleine T‑förmig gebogene Eiland liegt an der Nordwestküste von Madagaskar und neben gut 27 Grad Wassertemperatur trumpft Nosy Iranja mit schneeweißen Stränden, Palmen und dem türkisblauen Wasser des Ozeans für Tauchgänge mit den gepanzerten Meeresbewohnern auf.
Die meisten Besuchenden kommen nur für einen Tagesausflug hierher, weshalb eine Übernachtung in einer Unterkunft direkt am Strand unbedingt empfehlenswert ist. In der Dunkelheit kommen die Schildkröten an den Strand und legen ihre Eier ab, und mit Glück kannst du den Nachwuchs schlüpfen und sich gen Ozean schlängeln sehen.

Vulkanfelder auf Madagaskar
Vor etwa 12.000 Jahren waren auf Madagaskar noch Vulkane aktiv und haben interessante Landschaften hinterlassen. In den Gebieten, die früher lebensfeindlich waren, sind heute bedrohte Tierarten zu Hause. Zu den Vulkanfeldern Madagaskars zählen Ankaratra und Ambre-Bobaomby.

Das Vulkanfeld Ambre-Bobaomby gehört zu den feuchtesten Regionen des Landes. In der vom Vulkan geformten Landschaft haben sich mehrere Kraterseen und zwei Wasserfälle gebildet und viele Lemurenarten angesiedelt. Das Gebiet des Ankaratra bietet Wanderwege, die durch Mimosenfelder, imposante Farnlandschaften, Wäldchen und an Kraterseen vorbeiführen.
Die Stadt Tolagnaro
Im Südosten von Madagaskar liegt die Stadt Tolagnaro, die aufgrund ihrer Geschichte auch als Fort Dauphin bekannt ist. Die Festung Fort Dauphin wurde hier im 17. Jahrhundert von Franzosen bei einem Kolonialversuch erbaut und ihre Überreste sind heutzutage zu besichtigen. Auch Piraten fühlten sich in Tolagnaro zu früheren Zeiten aufgrund der günstigen Lage wohl: Von hier aus ließen sich Schiffe auf dem Weg nach Indien gut überfallen. Die ausführliche Stadtgeschichte wird im Museum Anosy dargestellt.

Heute wird der Ort mit den schönen Gebirgsketten im Hinterland besonders von Badeurlaubenden geschätzt, da er von drei Buchten, die zu den schönsten des Festlandes gehören sollen, umgeben ist. So lockt etwa der einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernte Libanona-Strand mit einem Farbspiel aus begrünter Umgebung, weißem Sand und dem türkisfarbenen Wasser. Auch in der Hauptsaison ist es hier nicht überfüllt. Und nur gut acht Kilometer von Tolagnaro entfernt liegt der See Vinanibe, der bei Kite- und Windsurferinnen und ‑surfern beliebt ist und schneeweiße Strände bietet.
Winzige Tiere und endemische Jäger
Sag mal, wer bist du denn? Dieser Satz kann einem auf Madagaskar schon einmal in den Sinn kommen, wenn man ein Chamäleon entdeckt. Tatsächlich gibt es diese wandelbaren Tierchen hier in über einhundert verschiedenen Ausführungen. Auf Madagaskar kannst du vom 22 Millimeter kleinen Nano-Chamäleon, das als das kleinste bisher entdeckte Zwergchamäleon gilt, bis zum Riesenchamäleon, das mit bis zu 70 Zentimetern die größte Chamäleonart darstellt, alles antreffen.

Madagaskar hat aber noch mehr zu bieten. So findest du hier beispielsweise auch die Raubtierart Fossa. Die braunen Jäger, die ein wenig aussehen wie Katzen, leben in den Wäldern Madagaskars und erreichen eine Körperlänge von bis zu 80 Zentimetern.
Lemuren, Lemuren und nochmals Lemuren
Wer auf Madagaskar urlaubt, kommt um sie nicht herum: Lemuren. Wer bei Lemuren nur an die Ringelschwanzlemuren (Kattas) mit ihrem schwarz-weiß gestreiften Schwanz denkt, irrt. In gut 100 Variationen turnen sie durch die Äste, sie gehören zu den ältesten Primatenarten der Welt und kommen nur auf Madagaskar und umliegenden Inseln vor. Auch Brauner Maki, Bambuslemur, die bärenähnlichen und brüllenden Indris oder die nachtaktiven, koboldähnlichen Fingertiere, Aye-Aye genannt, gehören zur Gruppe der Lemuren.

Sehr unterhaltsam sind auch die Sifakas. Wenn sie sich auf dem Boden bewegen, tun sie das hüpfend, was ihnen den Spitznamen „tanzende Lemuren“ eingebracht hat. Und die Kattas, die auch in den Animationsfilmen „Madagascar“ in Szene gesetzt wurden, gelten als Nationaltiere Madagaskars und unter vielen Madagassen und Madagassinnen ist der Glaube verbreitet, dass in den Lemuren ihre Ahnen wiedergeboren werden.
Bei all den Tieren auf Madagaskar ist ein Hinweis zum Abschluss vielleicht ganz hilfreich: Es gibt kaum giftige oder für den Menschen gefährliche Tiere auf Madagaskar.
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