Wie du Urlaub im abgelegensten Wohnort der Welt machen kannst

Mal so richtig zur Ruhe kommen, nicht von Tausenden anderen Reisenden genervt sein und einfach die Natur genießen. Klingt gut, oder? Doch die Orte auf der Welt, an denen diese Art des Urlaubs noch möglich ist, werden immer seltener. Es gibt sie aber noch, zum Beispiel mitten im Südatlantik. Hier liegt die kleine Inselgruppe Tristan da Cunha.
Das Eiland mit der einzigen Stadt Edinburgh of the Seven Seas gilt als der abgelegenste Wohnort der Welt. Rund 250 Menschen nennen Tristan da Cunha ihr Zuhause. Der Name der Stadt entstand, als Prince Alfred, Duke of Edinburgh, die Insel am 5. August 1867 im Rahmen einer Weltreise besuchte. Die Insel selbst wurde nach ihrem Entdecker Tristão da Cunha benannt, der das Fleckchen Erde 1506 ausmachte.

Der nächste bewohnte Ort ist 2500 Kilometer entfernt
Wenn du auf Tristan da Cunha bist, kannst du wirklich behaupten, am Ende der Welt zu sein. Die Insel liegt rund 2800 Kilometer vor der Küste Kapstadts, etwa 3250 Kilometer vom südamerikanischen Festland, Cabo Frio in Brasilien, entfernt und der nächstgelegene bewohnte Ort befindet sich fast 2500 Kilometer entfernt auf St. Helena.
Den meisten Platz der 98 Quadratkilometer auf Tristan da Cunha nimmt die Spitze eines mächtigen Vulkans ein. Der höchste Punkt, Queen Mary’s Peak, liegt in 2060 Metern Höhe. Während die Bewohnerinnen und Bewohner bis 1961 Ruhe hatten, bewegte sich in diesem Jahr plötzlich wortwörtlich die Erde. Wenige Tage nach den Erdbeben brach der Vulkan aus und die damals knapp 300 Einwohnenden wurden nach Großbritannien evakuiert, da die Insel zu britischem Überseegebiet gehört. Bis auf wenige Menschen kehrten fast alle nach fast zwei Jahren wieder nach Tristan da Cunha zurück.
Einheimische verdienen Geld mit Langustenfang
Das Leben auf der Insel ist nicht sonderlich spektakulär. Die letzte Zählung im März 2023 ergab eine Bevölkerungszahl von 235. Hier kennt also wahrscheinlich jeder jeden. Außerdem gibt es nur sieben Familiennamen auf der gesamten Insel. Alle Einwohnenden besitzen zudem die britische Staatsbürgerschaft.
Hauptsächlich verdienen die Menschen auf Tristan da Cunha ihr Geld mit dem Fang von Langusten. Die Langustenfabrik in der Stadt ist der größte Arbeitgeber. Hier verarbeiten die Mitarbeitenden die spezielle Langustenart Jasus tristani zu Tiefkühlware. Auch Fischfang, Kartoffelanbau und Schafzucht spielen auf der Insel eine wichtige Rolle.
So gelangst du nach Tristan da Cunha
Aber wie kommst du nun dorthin? Vor allem mit viel Geduld. Denn es gibt weder einen Flughafen noch eine Landebahn. Du kannst die Insel nur mit dem Schiff erreichen. Jedes Jahr ankern rund acht bis zehn Schiffe vor der Insel und Expeditions- oder Kreuzfahrtschiffe bringen hin und wieder Reisende mit Schnellbooten nach Tristan da Cunha. Je nach Wetterlage kann die Überfahrt vom Festland zur Insel bis zu 15 Tage dauern. Und pro Jahr gibt es nur zehn Verbindungen, du musst also gut planen.
Es gibt Veranstalter, die Reisen nach Tristan da Cunha anbieten, zum Beispiel „Ship‘n‘train“ aus der Schweiz. 36 Reisetage sind dafür angesetzt und die Kosten belaufen sich auf mindestens 2650 Schweizer Franken, also knapp 2700 Euro. Los geht es in Kapstadt und dann folgen etwa vier Tage auf See, bis im besten Falle schon der abgelegenste Wohnort der Welt erreicht wird. Dort verbringen die Reisenden dann über 20 Tage, können die außergewöhnliche Flora und Fauna bestaunen und am Leben der Einheimischen teilnehmen.

Museum, Café und Shop in einem Haus
Es gibt sogar ein paar Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel die anglikanische und die römisch-katholische Kirche. Das Tristan Post Office mit integriertem Tourismuszentrum ist ebenso eine gute Anlaufstelle. Es befindet sich in einem sogenannten Station House, die früher für britische Einwandererfamilien vorgesehen waren. Gebaut wurden diese Häuser schon in Großbritannien und dann in Einzelteilen nach Tristan da Cunha verschifft. Du findest hier die Post, das Tristan Island Museum, das Café da Cunha und den Souvenirshop – alles unter einem Dach.
Möchtest du Tristan da Cunha nicht im Rahmen einer Kreuzfahrt besuchen, kannst du auch die Reise mit einem Frachtschiff wagen. Hier braucht es jedoch Glück: Es gibt zwölf Plätze für Reisende, und die sind oft schon für Einheimische der Insel reserviert.

Februar ist der wärmste Monat
Eine weitere Möglichkeit ist die Mitfahrt auf einem südafrikanischen Forschungs- und Versorgungsschiff, welches die Insel zweimal im Jahr auf dem Weg von und in die Antarktis ansteuert. Dort gibt es bis zu 40 Plätze für Reisende. Außerdem brauchst du eine Erlaubnis für den Besuch auf der Insel. Das Formular dafür bekommst du auf der Homepage von Tristan da Cunha, ebenso alle möglichen Schiffsverbindungen.
Hotels gibt es keine, dafür aber mehrere Gästehäuser, denen du vorab eine Buchungsanfrage schicken kannst, Kontaktdaten gibt es ebenfalls auf der inseleigenen Internetseite. Eine Übernachtung kostet zwischen 35 und 45 Euro. Das Wetter ist rau und wechselhaft, im Februar ist es mit maximal 18 Grad am wärmsten. Du solltest also kleidungstechnisch auf alles vorbereitet sein. Und dann kann deinem Abenteuer im abgelegensten Wohnort der Welt nichts mehr im Wege stehen.
Mehr Inspiration gesucht? Tipps für alle Top-Reiseziele findest du beim reisereporter.






