Europas am besten erhaltene Altstadt: Diese dänische Stadt ist ein Geheimtipp

Nur 45 Kilometer nördlich von Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen liegt Helsingør, ein Städtchen mit rund 48.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Viele Reisende steuern es nur für die Überfahrt nach Schweden an – Helsingør befindet sich nämlich an der schmalsten Stelle des Öresund, nur 3,5 Kilometer von Helsingborg in Schweden entfernt, 20 Minuten Fährfahrt.
Dabei lohnt es sich, der Stadt mindestens ein paar Tage zu widmen. Die Highlights, die sie bereithält, reichen von Dänemarks Maritimem Museum bis zu kulinarischen Köstlichkeiten, doch besonders ist Helsingør für eines bekannt: die Altstadt, die zu den am besten erhaltenen in Europa zählt. Und für „Hamlets Schloss“, denn Schloss Kronborg inspirierte bereits Shakespeare zu einem seiner berühmtesten Werke. Wir zeigen, was du in und rund um Helsingørs Altstadt alles erleben kannst.
Die Highlights der Altstadt von Helsingør
Vom Fischerdorf zur Handelsmetropole
Wer durch Helsingørs Altstadt spaziert, fühlt sich wie auf einer Zeitreise – aber auf einer, bei der alles noch lebt, duftet und erzählt. In den kopfsteingepflasterten Gassen, wo Blumen bunte, teilweise jahrhundertealte Fachwerkhäuser schmücken, spürt man ihn: den Flair des idyllischen Fischerdorfes, das Helsingør einst war. Manche der Häuser stehen schief, andere haben krumme Giebel, viele wurden liebevoll restauriert.
Besonders ist, dass der heutige Altstadtgrundriss noch immer auf König Erik von Pommern (auch Erik VII., 1382–1459) zurückgeht. Er ließ drei Längsstraßen parallel zur Küste anlegen und vier Quergassen im rechten Winkel – ein Gittermuster, das du heute noch beim Altstadtbummel erkennst.
Reisende treffen jedoch nicht nur beim Stadtentwurf auf König Erik VII. Er ist allgegenwärtig, denn er machte Helsingør im 15. Jahrhundert zum Zentrum des dänischen Königreichs: 1426 führte er den „Sundzoll“ ein, woraufhin jedes Schiff, das durch den Öresund fuhr, eine Goldmünze abgeben musste. Das Geld floss 400 weitere Jahre direkt in die Taschen der Könige. Helsingør wurde unter Erik VII. zu einer internationalen Handelsstadt – und feiert 2026 sein 600-jähriges Bestehen.
Altstadtbummel in Helsingør mit vielen Überraschungen

Als eine der ältesten Gassen Helsingørs, die es bereits seit dem 17. Jahrhundert gibt, gilt die Anna Queens Stræde. Während der Zeit des Sundzolls war diese kopfsteingepflasterte Gasse mit ihren bunten Fachwerkhäusern ein beliebter Treffpunkt der Fährleute. Das älteste noch erhaltene Fachwerkhaus von Helsingør steht jedoch ein paar Straßen weiter, in der Strandgade 27. Es ist von 1577. Das obere Stockwerk ragt über das Erdgeschoss hinaus und wird von kunstvoll geschnitzten Holzstützen getragen.
Beim Altstadtbummel in Helsingør erwarten dich immer wieder Überraschungen: Hier der friedvolle Kreuzgang der Marienkirche, dort der grüne Hinterhof des Restaurants Patios, wo es neben Kaffee und Kuchen auch leckere vegetarische Speisen gibt. Wenn du in einer Gasse eine lange Schlange vor einem Geschäft siehst, hast du ein kulinarisches Highlight der Altstadt erreicht – den beliebten kleinen Eisladen Brustræde Fløde Is, der bereits seit 1922 besteht.
Bei den Recherchen vor Ort ist der reisereporter außerdem auf ein besonderes Erlebnis gestoßen: eine Stadtführung mit Hannah Kirkland von Helsingør Guide Tours. Um sie zu treffen, geht es in einen versteckten Renaissance-Keller unter der Szengade 77, der Hauptstraße der Altstadt. Plötzlich stehst du in einem Raum wie aus einer anderen Zeit mit kühler Luft, weißen Büsten, langen Holzbänken und ‑tischen, darauf Kaffee und Kuchen im Kerzenschein. Während du schlemmst, erzählt Hannah von der Stadtgeschichte, begleitet von Renaissance-Musik, wie sie einst am dänischen Hof gespielt wurde.
Der Keller stammt aus derselben Zeit wie Schloss Kronborg, also späte Renaissance, und diente viele Jahre als Krankenhausküche. Im Anschluss geht es mit Hannah in die verborgenen Winkel der Altstadt, unter anderem zu einem Grabstein-Monument von „King Hamlet“. Aber was Shakespeare mit Helsingør zu tun hat, erfährst du am besten in Schloss Kronborg auf der Landzunge gegenüber der Altstadt.
Schloss Kronborg in Helsingør

Dort, wo der Öresund am schmalsten ist, nur 3,5 Kilometer von Schweden entfernt, thront Schloss Kronborg über der Ostsee. Ursprünglich wurde die Anlage 1420 von König Erik von Pommern als Festung namens Krogen erbaut, um von dort seine „Sundsteuer“ zu kassieren. Unter Frederik II. (1534–1588) wurde Krogen zwischen 1574 und 1585 in ein prächtiges Renaissance-Schloss umgewandelt, das seit 2000 zum Unesco-Welterbe gehört.
Shakespeare-Fans kennen Schloss Kronborg als Hamlets Schloss Elsinore. Zwar hat der Dichter Kronborg selbst wohl nie besucht, doch das Schloss inspirierte ihn offenbar zu seinem berühmten Drama. Im Schlosshof erinnert ein künstlicher Totenschädel auf einem Brunnen an die Hamlet-Szene mit Yorick. Im Sommer finden regelmäßig Hamlet-Aufführungen in verschiedenen Räumen statt.

Wer sich für Geschichte interessiert, findet überall im Schloss Details: von kunstvollen Deckenverzierungen und historischem Mobiliar über das Monogramm von König Christian IV. (1577–1648) bis hin zu einem riesigen Wandteppich, der den Umfang des früheren dänischen Reiches zeigt. Es gibt jedoch nur einen Teil des Schlosses, der nicht dem verheerenden Brand von 1629 zum Opfer fiel und im Anschluss neu aufgebaut wurde – die Schlosskapelle. Noch heute kannst du dort Gottesdienste besuchen.
Beim Rundgang durch Schloss Kronborg begegnet dir eine Mischung aus prachtvoller Architektur und militärischer Vergangenheit. Die alten Kasematten im Keller sind düster, kalt – und beheimaten ein nationales Symbol: Holger Danske, den schlafenden Helden aus der dänischen Sagenwelt. Besonders spannend ist eine neu gestaltete, interaktive Ausstellung, die viele Elemente zum Anfassen, zum Riechen oder zum Ausprobieren bereithält, von nachgebauten Festtafeln bis zu Schachspielen wie zu Zeiten Frederiks II.
Der Kulturhafen und das Maritime Museum von Helsingør

Wenn du dich nicht nur für die gut erhaltenen Altstadthäuser und das Prunkschloss von Helsingør interessierst, sondern auch für dessen maritime Geschichte, ist ein Besuch des Kulturhafens ein weiteres Highlight. Er besteht aus der sogenannten Kulturværftet (Kulturwerft) – einem modernen Kultur- und Veranstaltungszentrum mit Bibliothek, Konzerten und Ausstellungen – und dem Maritimen Museum Dänemarks. Außergewöhnlich ist schon dessen Standort, denn es befindet sich unterirdisch im alten Trockendock der einstigen Werft, die in den 1880er-Jahren eröffnet wurde.
Nach der Werftschließung in den 1980er-Jahren lag das Gelände brach, das Maritime Museum war lange im Schloss untergebracht – sollte aber bei Bewerbung um den Unesco-Welterbetitel ausziehen. 2006 startete ein internationaler Architekturwettbewerb für einen neuen Museumsbau, den die Bjarke Ingels Group (BIG) gewann. Die alten Betonwände des Trockendocks wurden bewahrt und das Museum wurde um den alten Graben herum unter die Erde gelegt. Drei gläserne Brücken verbinden heute Schloss und Hafen.
Seit seiner Eröffnung im Oktober 2013 stellt das Museum die maritime Geschichte Dänemarks von den Anfängen im 15. Jahrhundert bis heute dar. Neben den zwei Dauerausstellungen ist die kürzlich eröffnete Seefahrerausstellung (ab Ostern 2025) ein Highlight mit interaktiven Elementen: Hier öffnest du eine Schatzkiste, spürst Seesturm und entdeckst ein riesiges Segel, gefertigt in Kopenhagen. Elemente lokaler Künstlerinnen und Künstler tauchen in jeder Epoche auf und vermitteln den Eindruck, man sei an Bord eines alten Schiffes.

Während du alte Schiffsglocken, Trockenbiskuits, Rumgeschichten und Proviant mit Larven und Insekten bestaunst, wird die Mühsal des früheren Seefahrer‑Lebens greifbar. Ein Extra-Bereich für Schiffsmodelle entstand 2023, und aktuell beschäftigt sich eine Sonderausstellung mit den „Rätseln der Ostsee“ – den mehr als 100.000 Wracks, die dort verborgen liegen. Für Familien gibt es Mitmach‑Stationen und einen Tattoo‑Stuhl (für Kinder, natürlich mit abwaschbaren Tattoos).
Wenn beim Museumsbesuch Hunger aufkommt, empfiehlt sich der Værftets Madmarked nebenan, eine Food Hall mit internationaler Küche, von syrisch über italienisch bis mexikanisch. Zwischen rustikalen Holztischen, bunter Deko und witzigen Wandzitaten (Beispiel: „Today’s Forecast: 99 % Chance of Wine“) sitzt man gesellig beisammen.
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