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Streit um neue Ukraine-Milliardenhilfe vor der Wahl

Rolf Mützenich (SPD), Vorsitzender der SPD-Bundestags­fraktion, spricht sich gegen neue Ukraine-Hilfen vor der Wahl aus.
Rolf Mützenich (SPD), Vorsitzender der SPD-Bundestags­fraktion, spricht sich gegen neue Ukraine-Hilfen vor der Wahl aus.

Die Finanzierung möglicher weiterer Ukraine-Hilfen noch vor der Bundestagswahl am 23. Februar hat einen Streit in der Regierung ausgelöst. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich lehnte Vorstöße aus dem Außen- und Verteidigungs­ministerium am Freitag ab, zusätzliche rund 3 Milliarden Euro für weitere Waffen­lieferungen an Kiew durch eine sogenannte überplanmäßige Ausgabe im Bundesetat zu mobilisieren. Laut „Spiegel“ blockiert Kanzler Olaf Scholz (SPD) ein neues Militär­paket. Die stellvertretende Grünen-Fraktions­vorsitzende Agnieszka Brugger forderte, Kanzleramt und Union müssten dem Antrag der beiden Ministerien zustimmen.

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Mützenich sagte dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND), Verteidigungs­minister Boris Pistorius (SPD) habe am Donnerstag umfangreiche Waffen­lieferungen an die Ukraine angekündigt, die in der vorläufigen Haushalts­führung eingeplant seien. „So kurz vor der Bundestagswahl nun zusätzliche Haushalts­mittel durch das Parlament zu binden und damit die nächste Bundes­regierung vor vollendete Tatsachen zu stellen, ist für unsere Demokratie nicht in Ordnung, rechtlich und politisch kaum zu verantworten“, betonte Mützenich.

Berichte über Pläne für neues Hilfspaket

Die Ampel­koalition sei auch deswegen zerbrochen, weil die FDP die innere gegen die äußere Sicherheit habe ausspielen wollen. „Für ein solches Entweder-oder steht die SPD-Bundestags­fraktion nicht zur Verfügung, schon gar nicht, wenn wir damit die Entscheidungen der nächsten Regierung präjudizieren würden.“

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Grünen-Politikerin Brugger sagte dagegen dem RND, Russland werde von Tag zu Tag skrupelloser. „Ohne neue Gelder verzögert sich die Bestellung weiterer Luftverteidigungs­systeme über viele Monate. Das bedeutet hohe Kosten für die Menschen in der Ukraine, aber letztendlich auch unsere Sicherheit.“ Die Haushalts­planung für das Jahr 2025 sehe nur noch die Hälfte der Ukraine-Unterstützung aus dem Jahr 2024 vor. Alle Mittel seien bereits gebunden, es könnten somit keine weiteren Verträge geschlossen werden.

Scholz habe am Abend des Koalitions­bruchs die Unterstützung der Ukraine als einen von vier Gründen für den Rauswurf von Finanz­minister Christian Lindner (FDP) genannt. Auf Vorschlag von Scholz seien unter anderem die nun genannten 3 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt worden. „Was damals richtig und dringend war, ist zwei Monate und einen weiteren dramatischen Winter in der Ukraine später nur noch drängender geworden“, sagte Brugger.

Vizeregierungs­sprecherin Christiane Hoffmann sagte, die Finanzierung von Ukraine-Hilfen sei intern in der Abstimmung. Sie bekräftigte, Deutschland sei der größte europäische Unterstützer der Ukraine. „Wir werden das auch bleiben.“ Das habe der Kanzler wiederholt klargestellt.

Laut „Spiegel“ haben Militär­experten im Ukraine-Stab des Wehr­ressorts eine Liste mit dringend benötigten Waffen­systemen, darunter drei zusätzliche Iris-T-Flugabwehr­batterien plus Munition, weitere Patriot-Lenkflug­körper, zehn Radhaubitzen sowie weitere Artillerie­munition, erstellt.