Polen stellt Reparationsforderungen an Deutschland – und wirbt um Verbündete

Athen. Die polnische Regierung sucht bei ihren Reparationsforderungen an Deutschland die Unterstützung Griechenlands.
Polen werde mit anderen Staaten zusammenarbeiten, die im Zweiten Weltkrieg unter dem Besatzungsregime deutscher Truppen gelitten hätten, sagte Vizeaußenminister Arkadiusz Mularczyk am Dienstag auf einer Reparationskonferenz in Athen. Einzelne Länder seien gescheitert, deswegen müssten sie zusammenarbeiten, um Gerechtigkeit zu erreichen.

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Polen fordert 1,3 Billionen Euro an Reparationen
Polen hatte seine Reparationsforderungen an Deutschland im vergangenen Jahr offiziell auf 1,3 Billionen Euro beziffert. Griechenland fordert mehr als 300 Milliarden Euro. Die Bundesregierung argumentiert, die Forderungen seien bereits abgegolten beziehungsweise geregelt. Unter anderem verweist sie auf eine Erklärung Polens von 1953, nach der das Land auf Reparationen verzichtet. Die nationalkonservative polnische Regierung will diesen Verzicht nicht anerkennen, weil er nur auf Druck der Sowjetunion zustande gekommen sei.
Mularczyk sagte, die Daten seien unumstritten. „5,2 Millionen Polen wurden getötet. Nach dem Krieg ging die Bevölkerung Polens um 11,4 Millionen Menschen zurück, und 2,1 Millionen polnische Bürger wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt“, sagte er.
Der frühere griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos sagte, Deutschland habe zwar für die Verluste um Verzeihung gebeten und nehme stets an Gedenkveranstaltungen für die Opfer teil. „Das ist lobenswert, hebt aber die Entschädigungsansprüche nicht auf. Diese Ansprüche existieren“, sagte Pavlopoulos.
RND/AP


