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Sturm, Blitze, Hagel

Unwetter überflutet Straßenzüge in Teilen Deutschlands - Warnungen aufgehoben

Teilabschnitte der Autobahn A59 in Duisburg sind am Abend nach stundenlangen Regenfällen überschwemmt, Autos fahren durch die Wassermassen.
Teilabschnitte der Autobahn A59 in Duisburg sind am Abend nach stundenlangen Regenfällen überschwemmt, Autos fahren durch die Wassermassen.

Berlin/Braunschweig/Kassel. Es stürmte, blitzte, und mancherorts flutete Regen Straßen und Keller: Über Teilen Deutschlands sind schwere Unwetter hinweggezogen. Größere Schäden sind in der Nacht zum Freitag nicht bekannt geworden. Angaben zu Verletzten machte die Polizei bis zum Morgen nicht. In Duisburg rettete die Feuerwehr nach eigenen Angaben mehrere Menschen aus Fahrzeugen, die auf überschwemmten Straßen feststeckten. Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mussten sich Menschen in einigen Regionen auch am Freitagmorgen auf Starkregen einstellen. Die amtlichen Unwetterwarnungen wurden dann am Mittag aufgehoben.

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Das Unwetter am Donnerstag hatte reichlich Regen mit sich gebracht. Die bundesweit höchsten Werte wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im nordrhein-westfälischen Sassendorf verzeichnet, wo innerhalb von 24 Stunden 102 Liter Niederschlag pro Quadratmeter vom Himmel prasselten. Auch Gelsenkirchen und Dortmund waren mit 95 beziehungsweise 94 Litern pro Quadratmeter besonders betroffen, hieß es am Freitag. Im sächsischen Hochkirch fielen nach der DWD-Auswertung 79 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

Zum Vergleich: Im Juni 2022 fielen in Deutschland durchschnittlich 60 Liter pro Quadratmeter während des gesamten Monats. Allerdings war der Monat deutlich zu trocken ausgefallen. Im langjährigen Mittel wären als Monatswert 85 Liter Niederschlag pro Quadratmeter zu erwarten gewesen.

+++ Alle Nachrichten zum Unwetter lesen Sie in unserem Liveblog. +++

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Mehrere Bundesländer im Westen, der Mitte und Nordosten waren von dem Unwetter am Donnerstag betroffen, das bis zum Freitag über Deutschland zog. In den sozialen Netzwerken wurden vielfach Videos und Bilder von bedrohlich wirkenden Wolken mit Blitzen geteilt. Hunderte Einsätze zählte allein die Feuerwehr der niedersächsischen Stadt Braunschweig. Videos zeigten, wie Straßen unter Wasser standen und auch Geschäfte geflutet wurden. Straßenbahnen und Autos steckten fest.

Ähnliche Aufnahmen gab es auch aus der hessischen Stadt Kassel. Die meisten Regionen Deutschland kamen aber glimpflich davon.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte im Vorfeld auch vor Tornados gewarnt. Der prominente Wetter-Experte Jörg Kachelmann postete ein Video eines solchen Wetterphänomens auf Twitter. „Einen Tornado gab es mindestens gestern, auch wenn es ein F0 war - der in Köln-Pesch, er hatte Bodenkontakt und damit ein echter Tornado“, schrieb er dazu. Mit der Bezeichnung „F0″ bezieht er sich auf die sogenannte Fujita-Skala, die zur Schadensklassifikation von Tornados und anderen Starkwinderscheinungen. Ein F0-Tornado verursacht nur kleinste Schäden.

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Der Feuerwehr brachte die Wetterlage viele Einsätze. So mussten etwa vollgelaufene Keller leer gepumpt werden. Im Kreis Neuwied in Rheinland-Pfalz stürzte ein Baum auf ein fahrendes Auto. „Bei einem anderen Einsatz mussten Personen aus ihrem Pkw in einer vollgelaufenen Unterführung gerettet werden“, teilte der Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises mit. Im Frankfurter Vorort Sindlingen wurden mehrere Autos durch umgestürzte Bäume schwer beschädigt. „Die Leute haben ein Riesenglück gehabt“, sagte ein Feuerwehrsprecher angesichts der regelrecht platt gedrückten Fahrzeuge in einem Wohngebiet.

Golfballgroße Hagelkörner

Im oberbayerischen Valley fielen golfballgroße Hagelkörner vom Himmel. Von Schäden war bei der Polizei zunächst nichts bekannt.

Auch andernorts gewitterte es am Donnerstagabend über Bayern. Die Polizei meldete zunächst keine nennenswerten Vorkommnisse. Im Landkreis Harz gab es durch das Unwetter zahlreiche vollgelaufene Keller. Die Berliner Feuerwehr rief den „Ausnahmezustand Wetter“ aus.

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In Hamburg richtete der vorhergesagte heftige Starkregen nicht so viel Schaden an, wie mancherorts befürchtet. Laut Angaben eines Sprechers der Feuerwehr Hamburg gab es in der Hansestadt in der Nacht zu Freitag 31 Wassereinsätze. „Das war aber nichts Weltbewegendes“, so der Sprecher. Es habe sich größtenteils um das Freimachen von Wasserabläufen gehandelt. Auch die Feuerwehr Elmshorn bestätigt die ruhige Lage in der Nacht. „Wir hatten einen Ast auf der Straße, aber der war schon weg, als die Feuerwehr ankam.“

Wer mit der Bahn unterwegs war, kam wegen der Unwetter nicht immer ans Ziel. Mehrere Strecken wurden in der Nacht zum Freitag zeitweilig gesperrt - darunter die wichtigen Verbindungen zwischen Berlin und Hannover, Berlin und Hamburg sowie zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Der Zugverkehr sei „bundesweit erheblich beeinträchtigt“, hieß es auf der Internetseite der Bahn. Mehrere Streckensperrungen seien inzwischen aber wieder aufgehoben worden, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Freitagvormittag. Das gilt etwa zwischen Berlin und Hamburg. Die Strecke ist zurzeit zumindest eingleisig befahrbar. „Es kommt zu Verspätungen von etwa 20 Minuten.“ Zuvor waren die Züge über Stendal umgeleitet worden.

Auch die am Morgen noch gesperrte Strecke Kassel-Göttingen kann nach Angaben der Deutschen Bahn eingleisig befahren werden. Einzelne ICE- und IC-Züge müssten zwischen Göttingen und Fulda allerdings umgeleitet werden. „Der Halt in Kassel-Wilhelmshöhe entfällt dann. Es kommt zu Verspätungen von etwa 30 Minuten“, so die Bahnsprecherin. Darüber hinaus gebe es vereinzelt weiterhin regionale Auswirkungen auf den Zugverkehr durch das Unwetter in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Neben der an Freitagen ohnehin höheren Zahl an Reisenden rechnet die Deutsche Bahn mit zusätzlichen Fahrgästen. Aus diesem Grund würden die Kapazitäten erhöht.

Wer für Freitag ein Bahnticket gebucht habe, könne die Fahrt auf einen späteren Termin verschieben, teilte die Bahn mit. „Die Zugbindung ist aufgehoben. Das Ticket gilt dabei für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort, auch mit einer geänderten Streckenführung. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden.“

Vielerorts wurden auch Veranstaltungen im Freien abgesagt - etwa der Abendmarkt in Radolfzell am Bodensee und die Warm-up-Party des Full-Force-Festival bei Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt. Die Sicherheit habe höchste Priorität, hieß es in einer Mitteilung. „Bitte macht eure Zeltplätze sturmsicher, sichert lose Gegenstände oder baut sie wieder zurück und baut bitte keine weiteren Pavillons mehr auf.“ Zudem wurde ein Konzert des britischen Sängers Sting im niedersächsischen Lingen gecancelt.

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Auch am Freitag könnte es noch einmal Unwetter geben

Blitz und Donner sorgten mancherorts in der Nacht für einen unruhigen Schlaf. Am Freitagvormittag waren dann aber keine amtlichen Unwetterwarnungen mehr in Kraft. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartete für Freitag im Norden und Osten Deutschlands jedoch noch gebietsweise Starkregen sowie im Osten und an den Alpen einzelne Gewitter.

Das Tief wandere jedoch langsam nach Polen, wobei die schwülwarme Luft durch kühlere ersetzt wird. Der Regen zieht dann ab nachmittags und abends allmählich ebenfalls ostwärts ab. An Kammlagen können aber noch stürmische Böen von bis zu 70 Kilometern die Stunde erreicht werden.

Laut Jürgen Schmidt vom Wetterkontor kommt dann ein sommerliches Wochenende auf Deutschland zu. „In der Lausitz und im Südosten von Bayern könnte es am Samstag noch vereinzelt Regen geben, danach kommt aber ein schönes Wochenende mit einzelnen Wolkenfeldern auf uns zu“, erklärt der Experte. Nur im Norden und an der Küste müsse man noch mit Schauern rechnen. „Die Temperaturen gehen dann auch wieder nach oben - mit bis zu 31 Grad im Südwesten und 23 bis 27 Grad im Osten. Im Südwesten kann es sogar bis zu 33 Grad geben“, sagt Schmidt auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Dieses hochsommerliche Wetter bleibt den Deutschen dank des Hochs Berceste bis Mitte der Woche erhalten. Erst ab Mittwochnachmittag seien laut Schmidt wieder Gewitter möglich - diese seien dann aber wahrscheinlich nicht vergleichbar mit den Unwettern von Donnerstag. „Erst der Juli wird dann wieder kühler und wechselhafter“, so der Wetterexperte.

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RND/dpa/ag

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