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Erste Folge ohne Florian Teichtmeister

„Die Toten von Salzburg“: Krimi ohne Hauptdarsteller

Alfons Seywald (Erwin Steinhauer, links), Irene Russmeyer (Fanny Krausz, Zweite von links) und Sebastian Palfinger (Simon Hatzl) stehen zusammen im Kapuzinerkloster.
Alfons Seywald (Erwin Steinhauer, links), Irene Russmeyer (Fanny Krausz, Zweite von links) und Sebastian Palfinger (Simon Hatzl) stehen zusammen im Kapuzinerkloster.

Soso, der Herr Major ist also in Kur. Mit dieser Erklärung für die Abwesenheit der Hauptfigur haben sich ZDF und ORF einigermaßen elegant aus einer Affäre gezogen, für die sie nichts können: Florian Teichtmeister ist wegen des Besitzes pornografischer Darstellungen von Minderjährigen angeklagt worden. Öffentlich bekannt wurde das erst im Januar, beim ORF wusste man aber schon länger von den Vorwürfen, weshalb seine Rolle in der neunten Episode der gemeinsam mit dem ZDF produzierten Reihe „Die Toten von Salzburg – Schattenspiel“ vorsorglich gestrichen wurde. Ganz egal, wie der Prozess ausgehen wird: Major Palfinger wird wohl nicht zurückkehren. Kürzlich sind die Dreharbeiten zum zehnten Film („Süßes Gift“) beendet worden; ohne Teichtmeister.

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Natürlich ist es nicht ungewöhnlich, dass zentrale Mitwirkende aus Reihen oder Serien verschwinden. Wenn die Redaktionen ein Herz haben, gibt es dazu eine entsprechende Geschichte, aber oft genug übernimmt einfach jemand anders stillschweigend die Rolle. Teichtmeister wird jedoch nicht ersetzt, weshalb sich nicht nur für den aktuellen Film die Frage stellt: Kann das funktionieren? Schließlich lebten die früheren acht Episoden nicht zuletzt vom Mit- und Gegeneinander der Ermittler: hier der krachlederne Oberbayer Mur (Michael Fitz), dort der mitunter zu einem gewissen Zynismus neigende Salzburger Palfinger, der seit einem Gleitschirmunfall im Rollstuhl sitzt. Schon allein dieses Alleinstellungsmerkmal machte die Krimis zu einer besonderen Reihe, von den oftmals witzigen Animositäten der beiden Ermittler ganz zu schweigen.

„Die Gier ist ein Hund, der Unschuldige beißt“

Zumindest „Schattenspiel“ funktioniert überraschend gut: Die Rolle von Teichtmeisters Mitarbeiterin Russmeyer ist deutlich aufgewertet worden; Fanny Krausz hatte sich ohnehin längst vom Status der Stichwortgeberin emanzipiert. Und was noch wichtiger ist: Die Geschichte ist interessant und ungewöhnlich. Bei Grabungen im Garten eines Klosters ist ein Skelett entdeckt worden. Ein mittelalterliches Fundstück gibt der leitenden Archäologin Schöfferl (Patricia Aulitzky) Anlass zu der Hoffnung, auf die letzte Ruhestätte einer sagenumwobenen bajuwarischen Herzogin gestoßen zu sein; die Dame ist einst angeblich mitsamt einem stattlichen Schatz bestattet worden.

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Kurz drauf wird ein prinzipientreuer Gottesmann ermordet im vermeintlichen Grab gefunden. Bruder Gereon (Daniel Langbein) hatte der Archäologin sehr weltliche Motive für ihre Leidenschaft unterstellt: „Die Gier ist ein Hund, der Unschuldige beißt.“ Die Spur führt allerdings nach Traunstein und somit in Murs Revier: Der Obmann (Francis Fulton-Smith) eines bayerischen Heimatvereins mit patriotisch-völkischem Hintergrund war als Teilnehmer eines Kontemplationsseminars im Kloster und ist am Morgen nach dem Mord überstürzt abgereist.

Bis hierher klingt die Handlung nicht weiter originell, aber Maria Hinterkörner, die für die Reihe bereits die Episode „Schwanengesang“ (2021) geschrieben hat, bringt eine weitere Ebene ins Spiel, die dem Film einen ungewöhnlichen Auftakt mit spektakulären Bildern beschert: 1944 wird über Salzburg ein britischer Bomber abgeschossen. Der Pilot kann sich mit dem Fallschirm retten; ein Klosterbruder versteckt ihn im Keller. Das entdeckte Skelett stammt zweifelsfrei aus jener Zeit, die beiden Löcher im Schädel lassen auf eine Hinrichtung schließen, die Kennmarke verrät die Identität des Mannes; aber dann wartet das Drehbuch mit einer Überraschung auf, die selbst erfahrene Krimifans verblüffen könnte.

Weil im Zentrum mehr Platz ist, hat die Autorin eine neue Figur eingeführt, die sich prompt als Bereicherung bewährt und der Reihe gern erhalten bleiben darf: Anthropologin Livia (Christina Cervenka), Nichte von Hofrat Seywald Erwin Steinhauer, hat entscheidenden Anteil an der überraschenden Wendung gegen Ende. Auch sonst kann sich „Schattenspiel“ sehen lassen; die Bildgestaltung ist ohnehin ein Qualitätsmerkmal der Filme. Regie führte wie stets Erhard Riedlsperger.

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„Die Toten von Salzburg: Schattenspiel“, ZDF, Mittwoch, 20.15 Uhr, mit Fanny Krausz, ­Christina Cervenka