Eddigehausen auf Wachstumskurs

Eddigehausen. Neben einer Vergangenheit als Wirtschaftshof der Burgherrschaft Plesse hat Eddigehausen vieles zu bieten: rundherum Natur, einen der größten Eibenwaldbestände Deutschlands, die Ländliche Heimvolkshochschule Mariaspring mit jährlich 2000 Besuchern und den Treffpunkt Altes Pfarrhaus.
Wer in Eddigehausen aufwächst, muss den Ort theoretisch bis zum Eintritt in eine weiterführende Schule nicht verlassen: Es gibt einen Kindergarten mit Hort, eine Grundschule mit Ganztagsangebot, eine aktive evangelische Kirchengemeinde, Sportverein, Feuerwehr und andere Vereine. Auf eine Gaststätte mussten die Eddigehäuser viele Jahre lang verzichten. Bis sich vor neun Jahren eine Gruppe von Bürgern zusammentat, um das Alte Pfarrhaus am Kirchplatz zu einem Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft auszubauen. Seitdem, sagt Ortsbürgermeister Bernd Riethig (SPD), habe sich das sanierte Gebäude zu „einer wichtigen Anlaufstelle“ entwickelt. Die Ehrenamtlichen erwarben eine Gaststättenkonzession, um zeitweise Gäste bewirten zu können. Es gibt monatliche Mittagstische, Spiele-nachmittage, Vorträge, Konzert- und Tanzveranstaltungen. Wenigstens ein infrastrukturelles Defizit konnte so durch ehrenamtliches Engagement ausgeglichen werden.
Denn Einzelhandel ist im Dorf seit Schließung der ortsansässigen Bäckerei vor drei Jahren nicht mehr vorhanden. Stattdessen fahren diverse mobile Nahversorger die Ortslage an. Handel und Gewerbe konzentrieren sich auf das in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Bovenden.
Dabei war Eddigehausen dem Kernort noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in wenigstens einer Hinsicht um mehr als eine Nasenlänge voraus: „Um 1906 wurden bei uns Wasserleitungen und Kanalisation ausgebaut“, sagt Heinrich Hardege, Ortsheimatpfleger des Plessedorfs. Bovenden sei damit erst nach dem Ersten Weltkrieg ausgestattet worden. Ungeachtet der infrastrukturellen Lücken ist das Dorf aus Sicht des Ortsbürgermeisters lebenswert.
„Es liegt nah an Göttingen als Oberzentrum, dicht an Bovenden als Zentrum, in dem fast alle alltäglichen Bedürfnisse erledigt werden können, in idyllischer Lage unter der Plesse, von Wald umgeben und ohne Durchgangsverkehr – besser geht es nicht“, so beschreibt Riethig die Vorzüge seines Wohnortes. Das scheinen viele Neubürger ähnlich zu sehen: Eddigehausen ist auf Wachstumskurs. Davon zeugen ein in den vergangenen Jahren entstandenes Baugebiet am Hainberg und der Bevölkerungszuwachs.
Gab es 2010 noch 1673 Einwohner, sind es heute 1780. Auch alte Immobilien finden rasch Abnehmer. Riethig: „Leerstände haben wir praktisch nicht.“ Riethig hofft, dass der Flecken Bovenden seinen Beitrag dazu leistet, Eddigehausen attraktiv zu halten: durch baldige Sanierung der Adolf-Kierschke-Halle und des Kindergartens in Kooperation mit der Kirchengemeinde.
Eines von sieben Plessedörfern
Die Burg Plesse spielte in der Geschichte des Ortes Eddigehausen eine große Rolle. „Wir waren eines der sieben Plessedörfer“, erzählt Heinrich Hardege, neben Bovenden, Oberbillingshausen, Angerstein, Reyershausen, Holzerode und Spanbeck. Gemeinsam mit Jürgen Wilms erforscht der 83-Jährige Hardege als Ortsheimatpfleger die Vergangenheit des direkt unter der Plesse liegenden Dorfes, das 1192 erstmals als Oddingehusen urkundlich erwähnt wurde.
„Bei den Häusern von Ottos Leuten“ soll laut Überlieferung der Ursprungs des Namens sein. Welcher Otto allerdings Namensgeber war, ist nicht bekannt. Vielleicht war es ja Otto von Assel, 1152 Erbe der von Winzenburgs. Er starb 1170 und machte das Lehen für die Herren von Höckelheim frei.
Im Ort Eddigehausen ist die Geschichte noch sichtbar. Schräg gegenüber der Kirche St. Blasius liegen die Gebäude der Domäne, dem alten Gutshof. Deren Vorgängerbau diente bereits der Plesseherrschaft als Wirtschaftshof.
Die einzelnen Gebäudeteile wurden in den vergangenen Jahren in Privatinitiative als Wohnhäuser ausgebaut. Berühmtheit erlangte Eddigehausen zwischen dem Ende des 18. Jahrhunderts und dem Ersten Weltkrieg durch die am Ortsrand gelegene Quelle Mariaspring am Rauschenwasser. Das auf dem Gelände der Hasenbalschen Papiermühle gelegene Ausflugslokal galt als Tanz- und Studentenparadies.

„Hinter der Kirche geboren“
„Nette Menschen, die Lage, viel Wald, kein Durchgangsverkehr“, so beschreibt Gerhard Oltmanns, gebürtiger Eddigehäuser, sein Heimatdorf. Der 74-Jährige wurde „hinter der Kirche geboren“. Verlassen hat er Eddigehausen nur für vier Jahre, „während der Bundeswehrzeit“. Ein Wohnortwechsel habe nie angestanden.
Den Treffpunkt Altes Pfarrhaus besucht Oltmanns mit Ehefrau Karin regelmäßig – mindestens einmal im Monat meldet sich das Ehepaar zum Mittagstisch an. Dass es im Ort keine Einkaufsmöglichkeiten gibt, bedauert Oltmanns zwar. Als ehemaliger Elektriker im Dienst der EAM habe er aber in der ganzen Region vielfach miterlebt, wenn in Dörfern der einzige Laden oder die letzte Gastwirtschaft zumachten.
Besorgungen erledigen die Eheleute in Bovenden oder bei den fahrenden Händlern.
GT/ET
