Deichbrand wird 20 – Zehntausende feiern an der Nordseeküste, US-Rapper Macklemore unter Beobachtung

Cuxhaven. Das Deichbrand-Festival endet am Sonntag mit dem umstrittenen Auftritt des Headliners Macklemore. Der US-Rapper soll am Abend (22.30 Uhr) auf der Bühne stehen, kündigten die Veranstalter des Festivals an. Das Konzert hat im Vorfeld bundesweit für Kritik und Empörung gesorgt.
Das Festival findet an der Wurster Nordseeküste statt - mit vier Bühnen, vollen Campingplätzen und ausverkauften Konzerten. „Wir wollen auch das Deichbrand 2025 wieder zum besten Festival mit den besten Fans machen“, hatten die Veranstalter im Vorfeld angekündigt.
Das Wetter spielte zunächst allerdings nicht hundertprozentig mit – es gab immer wieder Schauer, die Temperaturen stiegen jedoch am Wochenende auf 26 Grad.
Polizei nennt Deichbrand „äußerst freundliches Festival“
Knapp 120 Künstler und Bands stehen bis Sonntag auf dem Flugplatz Nordholz am dem Programm: K.I.Z., DJ Timmy Trumpet, Deichkind und die Deutsch-Rapper Kontra K, Finch und Ski Aggu.
Die Polizei Cuxhaven bilanzierte am Freitag: „Bei bestem Wetter herrscht eine sehr ausgelassene Stimmung.“ Polizeilich gesehen sei Deichbrand ein äußerst freundliches Festival - „gerade wenn man bedenkt, dass 60.000 Menschen mehrere Tage ausgiebig feiern“.
Macklemore: Auftritt sorgt bundesweit für Kritik
Am meisten Aufsehen verursacht jedoch der geplante Auftritt des US-amerikanischen Rappers Macklemore, der am Sonntag (bei Gewittergefahr) als Headliner auf der Bühne steht. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er den propalästinensischen Song „Hind’s Hall“, dieses Jahr das Lied „Fucked up“. In den Liedern wirft der Rapper Israel Genozid vor, verschweigt den Terror der Hamas und stellt in einem dazugehörigen Video Bilder von einem Jungen aus dem Warschauer Ghetto und einem aus dem Gazastreifen gegenüber.

Das angekündigte Konzert des Musikers sorgt im Vorfeld bundesweit für Diskussionen und Kritik. Der Zentralrat der Juden wirft dem US-Rapper Antisemitismus vor und warnt vor einem Besuch des Festivals. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hält es für „unerträglich“, dass dem Rapper eine Bühne geboten werde.
Aus Sicht von Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, hat Macklemore die Grenzen zwischen legitimer Kritik an der israelischen Regierung und Antisemitismus überschritten. Dennoch sprach er sich dafür aus, den Auftritt hinzunehmen. „Das ist der Preis, den wir dafür zahlen, dass wir in einer freien Gesellschaft leben dürfen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst.
Die Organisatoren des Festivals reagierten mit Schulungen, einem Konzept gegen Antisemitismus und einem Statement gegen jede Form von Gewalt. Außerdem soll eine Expertengruppe den Auftritt von Macklemore begleiten.
Antisemitismusbeauftragter rät zu Abreise vor Macklemore
Niedersachsens Antisemitismusbeauftragter Gerhard Wegner empfiehlt trotz massiver Kritik am US-Rapper Macklemore den Besuch des Deichbrand-Festivals – rät aber, vor dessen Auftritt wieder abzureisen. „Fahren Sie zum Festival! Das wird sicherlich großartig!“, sagte Wegner der Tageszeitung „taz“. „Und dann reisen Sie am Sonntag gegen 22 Uhr, vor dem Auftritt von Macklemore, wieder ab!“
Wegner wirft dem Musiker „problematische Songs“ vor, „die viele als antisemitisch hören werden“. Macklemore richte sich „pauschal gegen Israel – und das geht dann faktisch eben auch gegen Juden allgemein“. Besonders kritisch sieht er Gleichsetzungen von Israel mit dem NS-Regime.
Wegner sagte, dass auch die Hamas einen fürchterlichen Anteil an der Situation im Nahen Osten habe, das komme bei Macklemore überhaupt nicht vor.
Deichbrand-Festival feiert Jubiläum
Das Festival feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Rund 500 Besucherinnen und Besucher kamen nach Angaben der Veranstalter 2005, fünf Jahre später schon mehr als 10.000 Menschen. Inzwischen zählt Deichbrand mit rund 60.000 Fans täglich zu den größten Festivals in Norddeutschland.

